Medienethische Jahrestagung 2027 in Wien: Call for Papers

Artificial Companionship als Kommunikationsinfrastruktur – Medienethische Implikationen von KI-Partnerschaft und Öffentlichkeit

Die nächsten Jahrestagung der DGPuK-Fachgruppe Kommunikations- und Medienethik, des Netzwerks Medienethik sowie ihrer Partner findet vom 17. bis 19. Februar 2027 an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und der Universität Wien statt. Die Veranstalter laden herzlich ein zur Einreichung von Vorträgen.

Zum Thema

„He’s my friend“ – was im Film Robot & Frank (2012) noch als nahe Zukunft inszeniert wurde, ist durch die rasanten Entwicklungen im Bereich generativer KI und humanoider Robotik längst in der gesellschaftlichen Realität angekommen. Empirische Studien zeigen, dass KI-Chatbots und interaktive Systeme von vielen Nutzer:innen nicht mehr nur als funktionale Werkzeuge, sondern als vertraute Gegenüber, emotionale Ansprechpartner oder gar soziale Instanzen wahrgenommen werden.

Wenn KI-Systeme jedoch die Rolle von Gefährt:innen (Artificial Companions) übernehmen, verschieben sich die grundlegenden Infrastrukturen öffentlicher Kommunikation:

  • Wie verändern KI-Partnerschaften Prozesse der Meinungsbildung, der demokratischen Deliberation und des gesellschaftlichen Vertrauens?
  • Welchen Einfluss hat Companionship-by-Design auf Aufmerksamkeitsökonomien, Agenda-Setting und Polarisierung?
  • Welche Verantwortungs-, Transparenz- und Schutzstandards sind für solche kommunikativen Schnittstellen erforderlich?

Die Tagung möchte diese und weitere Fragen an der Nahtstelle von technologischer Innovation, Mediatisierung und Ethik aus interdisziplinärer Perspektive beleuchten.

Mögliche Themenfelder u. a.:

  • Digitalanthropologische und ethische Perspektiven auf Companionship und Menschenbilder
  • Transformation von Demokratie, Öffentlichkeit und Journalismus durch KI-Gefährten
  • Verantwortung und Regulierung bei Interaktionen zwischen Mensch und KI
  • Perspektiven der Integrative Social Robotics, Robophilosophy und Maschinenethik

Einreichungen & Formate

Erwünscht sind theoretische wie empirische Beiträge aus der Kommunikations- und Medienwissenschaft, der Philosophie sowie angrenzenden Disziplinen. Neben Einzelvorträgen sind auch Paneleinreichungen und interaktive Formate (z. B. Workshops, Fishbowls) herzlich willkommen.

Den vollständigen Call for Papers mit allen Details, Hintergrundinformationen und Literaturhinweisen finden Sie auf der offiziellen Tagungsseite:

👉 https://www.netzwerk-medienethik.de/jahrestagung/artificial-companionship/

Veranstalter

Die Tagung des Netzwerks Medienethik wird gemeinsam veranstaltet von der DGPuK-Fachgruppe Kommunikations- und Medienethik, dem Interdisciplinary Media Ethics Centre (IMEC), der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), dem Fachbereich Sozialethik an der Universität Wien und der USTP – University of Applied Sciences St. Pölten.

Organisations-Team: Tobias EberweinMatthias KarmasinAlexander FilipovićMichael LitschkaMatthias RathLarissa Krainer

„Armut & Medien“ Thema der Communicatio Socialis Heft 2/2026

Die kürzlich erschiene Ausgabe „Communicatio Socialis“ widmet sich dem Thema Armut. Armut prägt den Alltag vieler Menschen tiefgreifend und bedroht – verschärft durch Inflation und Krisen – massiv die soziale Teilhabe. Betroffen sind vor allem ohnehin vulnerable Gruppen, deren Situation durch Tabuisierung, Scham und gesellschaftliche Ausgrenzung zusätzlich erschwert wird. Genau hier setzt die Ausgabe an: Sie fragt, wie über Armut gesprochen, berichtet und öffentlich debattiert wird – und welche Verantwortung Medien dabei tragen.
Hannah Kehl, Hella de Haas, Jana L. Peters und Olaf Jandura eröffnen den Schwerpunkt mit einem Beitrag zur digitalen Kluft zwischen armutsbetroffenen und nicht armutsbetroffenen Menschen in Deutschland (kostenfrei abrufbar). Tanja Köhler, Julia Lönnendonker und Johanna Mack zeigen, dass auch der journalistische Nachwuchs sozial selektiv zusammengesetzt ist. Alban Knecht, Michaela Moser und Martin Schenk untersuchen Armutsdiskurse in Österreich und fragen, wie Medien Armut darstellen und wie Initiativen wie „Die Armutskonferenz“ darauf reagieren. Andreas Schulz-Tomančok und Josef Seethaler analysieren, wie Armut und soziale Ausgrenzung im ORF thematisiert werden.
Weitere Beiträge erweitern das Spektrum: Maja Jerrentrup untersucht Bettelschilder als verdichtete Formen öffentlicher Selbstdarstellung von Bedürftigkeit. Annika Franzetti fragt, wie Kinder- und Jugendliteratur verschiedener Epochen Armut erzählt. Katharina Zöpfl und Imke von Maur schließen den Schwerpunkt mit einer Innenansicht dazu, wie philosophische Gespräche über Armut mit Kindern gelingen können.
Auch jenseits des Schwerpunkts bietet das Heft aktuelle Perspektiven aus Kommunikations- und Medienethik: Markus Behmer schreibt über „Toleranz“, Tobias Gostomzyk über digitale Lücken im Informantenschutz. Anna Lena Fehlhaber überträgt James S. Colemans Vertrauenstheorie auf digitale Kommunikationsräume. Antje Eichler fragt, ob Wissenschaft Lobbying betreiben darf. Benedikt Rauw denkt Beziehungen als normative Orte im Kontext von Moraltheologie und KI-Ethik.
Ab sofort sind die einzelnen Artikel online verfügbar (Paywall, über Uni-Bibliotheken gewöhnlich verfügbar). Selbstverständlich erscheint die Ausgabe, wie gewohnt, auch in gedruckter Form.